Merkmeister

Der Merkmeister am Werk

Ralf Hofmann bringt die grauen Zellen der Grundschüler und deren Eltern in Schwung

 

„Wie war das nochmal?“ „Was wollte ich denn jetzt hier?“ „Oh, hab ich vergessen!“ Aussagen wie diese und entsprechend ratlose Gesichtsausdrücke kennt vermutlich jeder Mensch. Vor allem in stressigen Zeiten, in denen das Gehirn maximal gefordert ist, fällt schon einmal eine Information „hinten runter“. Macht ja nix. Eigentlich. Ungünstig sind diese plötzlichen Gedächtnislücken jedoch, wenn bestimmtes Wissen abverlangt wird. Bei Schulaufgaben zum Beispiel. Um sich hierfür den nötigen Stoff auch wirklich gut merken zu können, verhalf Ralf Hofmann den Schülern und Eltern der Grundschule Simbach am Dienstag auf amüsante Weise auf die Sprünge.

 

Emotional müssen sie sein, sehr spannend, natürlich interessant und auch komisch. Wer seinem Kind wichtige Informationen in dieser Art aufbereitet, kann sich sicher sein, dass der Stoff sitzt. Sogar Gedichte kann man sich weit besser merken, wenn man ab und an eine extra Schleife in Form einer fantasievollen Geschichte oder der Verknüpfung zwischen Stichwörtern und Körperteilen dreht. Diese wertvollen Tipps gab Ralf Hofmann am Dienstag zunächst den Schülern und Lehrern im Unterricht und abends dann auch den Eltern mit auf den Weg.

Letztere wollten wissen, wie man die Kinder zum Lernen motivieren kann, wie sie sich den Lernstoff schneller, besser und vor allem länger merken können. Die Antworten sind effektiv wie einfach. Unter Berücksichtigung des bereits Genannten Tricks und Kniffen sprach Hofmann noch ganz entscheidende Dinge wie den Umgang mit Fehlern, der richtigen Motivation, dem aufzubringenden Verständnis und den optimalen Gegebenheiten zum Lernen und Merken an und er zeichnete ein sehr genaues Bild des menschlichen Gehirns und erläuterte eindrucksvoll den Weg der Informationen durch das Kurz- und Langzeitgedächtnis.

Aber zurück zu den eben sehr wichtigen Rahmenbedingungen rund um die ganze Lernerei und Merkerei. Beginnen wir mit den Fehlern. Wie der Fachmann witzig erklärt, sind gerade die Deutschen meisterlich dabei, die Fehler andere bis in die Tiefe auszuschöpfen, die eigenen jedoch gerne zu verdrängen, sich dafür zu rechtfertigen, Ausreden zu finden oder die Schuld mal eben anderen in die Schuhe zu schieben. Fehler! Genau so geht es nicht, weiß der Fachmann. Denn, wer keine Fehler macht, kann daraus nicht lernen. Fehler oder falsche Antworten in Schularbeiten sind Möglichkeiten, Chancen, die dabei helfen, es das nächste Mal besser zu machen. „Hurra!“ könnte man also rufen „Ich habe einen Fehler gemacht und weiß nun, wie ich es das nächste Mal anders angehe.“

Thema Motivation. Puh… Hier steht manches Elternteil gerne mal vor einem bockigen Lerneselchen, das sich einfach nicht bewegen lässt. Zu schnell greift man dann zu kleinen Leckereien, die man bei erledigter Aufgabe verspricht. Hierbei mahnt Hofmann zur Vorsicht. Zum einen lässt sich diese Motivation nämlich schnell vom kleinen Gummibächen bis hin zum Supermarktregal an Schleckereien steigern und zum anderen erreicht man mit Belohnungen dieser Art nur, dass die Kids ihren Stoff schnell einpauken, sich die Süßigkeit (oder anderes Materielles) abholen und dann genau so schnell alles Gelernte wieder vergessen. Besser ist, man spricht als Eltern seine Aufmerksamkeit ob des Lerninteresses aus, man lobt den Eifer oder kurz man wertschätzt sein Kind. Dies sind echte Motivationen, die Bestand haben und auch noch das Herz wärmen.

Weiter zum Verständnis. Zu diesem Thema hatte Hofmann eine nette Geschichte dabei. Er berichtete von einem Spitzenschüler, der zu aller Überraschung einmal eine Drei mit nach Hause brachte. Für gewöhnlich rümpfen Eltern bei diesem ungewohnten Ereignis schnell die Nase, gehen den Stoff nochmal durch, nehmen die falschen, fehlerhaften Antworten der Klassenarbeit ins Visier. Völlig vernachlässigt können bei dieser Vorgehensweise jedoch andere Faktoren werden, die die eigentliche Ursache der etwas schlechteren Note darstellen. Daher – und jetzt kommt für Hofmann das Allerwichtigste, das sich jedes Elternteil in jedem Fall merken sollte – sollte man zunächst zwei Fragen parat haben. „Was fehlt hier?“ und „Was fehlt Dir?“ Damit erforscht man die Umstände, unter denen die Arbeiten geschrieben wurden, bringt Verständnis für das Kind auf, geht auf Ursachenforschung und stellt am Ende fest, dass ein neuer Klassenkamerad während besagter Arbeit aus der Geschichte kontinuierlich mit den Fingern auf den Tisch geklopft und derart herum gezappelt hat, dass einfach keine Konzentration für die Aufgaben gegeben war. So einfach war das mit der Drei. So einfach kann es in jedem Haushalt sein, wenn man sich miteinander beschäftigt, im Gespräch bleibt, Verständnis aufbringt.

Nun noch zu dem letzten Punkt für diesen Artikel: das richtige Lernumfeld. Wer auch Zuhause gestört wird, weil der Fernseher läuft, das kleine Geschwisterchen nervt oder die Mama beim Kochen singt, kann sich schlicht nicht vernünftig konzentrieren, ist nicht bei der Sache, wird schnell abgelenkt. Es gilt daher, Störfaktoren auszuschalten und dem Kind die nötige Ruhe zum Lernen zu verschaffen. Sind die Hausaufgaben erledigt und ist der Stoff gepaukt, kann man das Gelernte immer wieder wiederholen. Und dies zu gerne auf lustig aufbereitete Weise, bei der eben auch ein bisschen Hampelmann gespielt werden darf.

 

Merkmeister Ralf Hofmann gab am Tag des Merkens hilfreiche Tipps zum effektiveren Pauken und auch interessante Informationen zum Weg der Infos durch das Gehirn, das er recht simpel wie einen Trichter darstellte.

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