Schulranzenaktion

Kinder helfen Kindern

Simbacher Grundschüler beteiligen sich an „Rucksackprojekt“ für afrikanische Kinder

 

Knapp einer Million Kinder weltweit wird durch die Hilfsorganisation „Mary´s Meals“ Zugang zu Nahrung und Bildung ermöglicht. Seit Dienstagvormittag sind es 38 Kinder mehr. Für sie haben nämlich Jungen und Mädchen der Grundschule Simbach Schultaschen gepackt. Vertreter der Hilfsorganisation nahmen diese dankend in Empfang. Doch sie sammelten nicht nur die Taschen und alle nötigen Materialien für die Schule ein. Mit jedem Schulpack brachten sie auch die Hoffnung afrikanischer Kinder auf ein besseres Leben auf den Weg.

 

„Schöde, öde Schule – Gott sei Dank sind bald Ferien!“ Dieses Luxus-Gejammer auf höchstem Niveau hört man nicht selten von lernmüden Schulkindern. „Danke, dass ich die Schule besuchen darf!“ eher selten. Oder eigentlich gar nicht. Und das ist eigentlich auch gut so. Schließlich leben wir in einem Land, in der es zur Selbstverständlichkeit, ja, zur Pflicht eines Kindes, gehört, die Schule zu besuchen. Viele Kinder auf dieser Erde kennen diese Art von Normalität nicht. Für sie ist es noch nicht einmal gewiss, ausreichend Nahrung zu bekommen. Malawi, Uganda oder auch Liberia sind nur einige der Landstriche, die weit mehr als nur Bildung vermissen müssen. „Dabei ist es gerade die Bildung, die den Teufelskreis der Armut durchbrechen kann“ wissen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Hilfsorganisation „Mary´s Meals“. Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, Kindern durch Schulspeisung Schulbildung zu ermöglichen. Schon zehn Euro können ein Kind ein ganzes Schuljahr lang mit Essen versorgen. Doch wie lernen, wenn man kein Papier hat, auf dem man schreiben kann? Keinen Stift, der Zahlen und Buchstaben zeichnet? Um die Kinder neben der Nahrung auch mit allen nötigen Utensilien für einen Schulbesuch auszustatten, hat „Mary´s Meals“ das Rucksackprojekt ins Leben gerufen.

Und so funktioniert´s: Kinder, die ihrer „alten“ Schulsachen überdrüssig sind, prüfen diese gemeinsam mit ihren Eltern auf weitere Verwertbarkeit, stecken Radierer, Lineal und Co. gemeinsam mit gut erhaltener Kleidung und neuen Hygieneartikeln in ihre Schultasche und spenden das Gesamtpaket. Menschen wie Wolfgang Trende und Erich Geiger, die ehrenamtlich für „Mary´s Meals“ tätig sind, sammeln die Taschen ein, verstauen sie in großen, weißen Säcken und bringen sie an Sammelstellen. Von dort aus machen sich die Schultaschen auf die große Reise nach Bremerhaven und auf dem Schiff direkt nach Afrika. Dort werden sie von anderen Mitarbeitern der Organisation an die bedürftigen Kinder verteilt und schon hat ein weiteres Kind auf dieser Erde die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, Lesen und Schreiben zu erlernen, Wissen zu erlangen und möglicherweise dadurch die Chance, aus dem Teufelskreis der Armut und des Hungers ausbrechen zu können.

Colleg Bakary hat sich den Hilfeleistern in Simbach angeschlossen. Er stammt zwar aus Namibia, hat dort auch die Schule besucht, weiß aber um die verheerenden Zustände in Afrika. Um sich ihnen zu entreißen, ist er als Flüchtling nach Deutschland gekommen und hat die Lebensbedingungen hier als großes Geschenk kennen und schätzen gelernt. Bakary spricht ausgezeichnet gut Deutsch, befindet sich in einer Lehre als Gesundheitspfleger und packt immer gerne mit an, wenn es darum geht, seine Landsleute zu unterstützen. Vor allem, wenn es um Kinder geht. Die Kids in Simbach haben sich gefreut, ihn zu sehen. Mit tosendem Applaus honorierten sie sein erstaunlich gutes Deutsch und wurden so wie ganz nebenbei durch dieses ganze Projekt einem Lernprozess unterzogen, den nur das Leben unterrichten kann. Sie erfuhren, dass es Menschen gibt, die von Zuhause fliehen müssen, dass es Kinder gibt, die keine Schule kennen, die Hunger haben und dass sie dabei helfen können, diese Umstände zu ändern.

 

 

 

 

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